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🍁 Messie-Syndrom

Neue Selbsthilfegruppe will Betroffenen Auswege aus dem Chaos zeigen

Von Lars Reusch | Allgemeine Zeitung

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MAINZ – Man kennt die Bilder aus dem Fernsehen: Wohnungen, in denen man sich kaum bewegen kann, weil sie vollgestellt sind mit Trödel, alten Zeitungen, Kleidung oder Abfall. Bewohner eines solchen Durcheinanders leiden am sogenannten Messie-Syndrom: der Unfähigkeit, Ordnung zu halten. Betroffene aus Mainz und Umgebung haben nun bald eine Möglichkeit, sich selbst und anderen zu helfen: in einer neuen Selbsthilfegruppe, die von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KISS) Mainz gegründet wird.

Gründungstreffen am 23. Januar

Das Gründungstreffen findet am Donnerstag, 23. Januar, um 18 Uhr im Rathaus Mainz im Zimmer 1 A statt. Interessierte können ohne vorherige Anmeldung dazustoßen, die Teilnahme ist kostenlos.
Das Messie-Syndrom ist keine anerkannte Krankheit, aber auch nicht mit Faulheit zu verwechseln. Betroffene wollen aufräumen, sind dazu aber nicht in der Lage. „Sie können es nicht ertragen, dass Dinge sie verlassen“, sagt Marianne Bönigk-Schulz, Vorsitzende des Fördervereins zur Erforschung des Messie-Syndroms und früher selbst betroffen. Viele könnten fremde Wohnungen problemlos aufräumen, nur ihre eigene nicht. Das Klischeebild, das man aus dem Privatfernsehen kennt, sei daher auch falsch, sagt Bönigk-Schulz. „Messies“ sind nicht automatisch ungepflegt, auch leben nicht alle in einer Müllhalde. Schätzungen berichten von etwa 2,5 Millionen Betroffenen in Deutschland.

„Igitt, was ist denn hier los!“

In der neuen Selbsthilfegruppe können Betroffene das Problem nun angehen. Die Gruppe soll sich selbst organisieren, die Teilnehmer können sich untereinander austauschen und sich gegenseitig helfen. Elfi Gül Holweck von der KISS Mainz möchte die Gruppenteillnehmer auch dazu anregen, einander zu Hause zu besuchen. „Betroffene sind vielleicht eher bereit, andere Teilnehmer in ihre Wohnung zu lassen, die das Problem selbst kennen, als Menschen, die sagen: ‚Igitt, was ist denn hier los!‘“

Zudem soll die Gruppe von einem professionellen Betreuer begleitet werden, der etwa alle zwei Monate zur Gruppe stößt und den Teilnehmern Anregungen gibt, wie sie Schritt für Schritt zu mehr Ordnung finden. So soll das Schicksal der vorherigen von der KISS gegründeten Selbsthilfegruppe für „Messies“ verhindert werden, die nach einer Weile eingeschlafen ist. Zum Gründungstreffen am 23. Januar ist als Referentin Sunita Balser eingeladen. Die Sozialpädagogin führt eine Beratungspraxis in Nackenheim.

Selbsthilfegruppen sind für Betroffene des Messie-Syndroms laut Bönigk-Schulz absolut sinnvoll. „Viele isolieren sich, weil sie glauben, von anderen nicht akzeptiert zu werden – und sie sich selbst nicht akzeptieren.“ Der Austausch mit anderen, die die gleichen Erfahrungen machen, kann daher ein Schritt in die richtige Richtung sein.

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/nachrichten-mainz/messie-syndrom-neue-selbsthilfegruppe-will-betroffenen-auswege-aus-dem-chaos-zeigen_13769007.htm